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Entflechtung von Künstlicher Intelligenz (KI)

Angetreten im Jahr 1954 (Workshop Dartmouth, gilt heute als Geburtsstunde der Künstlichen Intelligenz), um eine menschenähnliche, „intelligente“ Maschine zu bauen, wechselten sich Hype (KI-Sommer) und Abkühlung (KI-Winter) über die Jahrzehnte ab. Der momentan stattfindende KI-Sommer ist der heißeste seit Beginn der Aufzeichnungen. Denn zu Beginn des 21 Jahrhunderts erscheint der Durchbruch insbesondere durch die notwendige Rechenpower und die Verfügbarkeit von Daten zum Greifen nahe. Und es besteht ein weiterer entscheidender Faktor: es wird richtig Geld mit Künstlicher Intelligenz verdient.

Doch die Diskussionen über KI werden oft vermischt, sodass niemand wirklich wissen kann, worum es überhaupt genau geht. Die Ängste, die mit Künstlicher Intelligenz verknüpft werden, sind entsprechend diffus. Um ein besseres Verständnis zu erlangen, müssen wir die unterschiedlichen Diskussionsstränge zunächst entflechten und die wesentlichen Dimensionen getrennt voneinander betrachten. Dabei unterteile ich das Feld in 4 Teilbereiche: schwache KI (engl.: Narrow AI), starke KI (engl.: General AI), Superintelligenz und Trans-/Posthumanismus. 

Die schwache KI ist anwendungsorientiert und hat zum Ziel, einzelne, stark abgegrenzte Einsatzbereiche zu optimieren und zu automatisieren. Sie hat nichts mit einer Maschine zu tun, die eine allumfassende menschenähnliche Intelligenz besitzt. Es geht vielmehr darum, in den spezifischen Einsatzbereichen die menschlichen Fähigkeiten zu übertreffen, ihn damit aber zu unterstützen. Dabei findet die schwache KI bereits heute Anwendung in vielen unseren Lebensbereichen (intelligente Navigation, automatisierte Produktvorschläge, Chatbots, etc.) oder zur Optimierung von Geschäftsprozessen und -bereichen in Unternehmen (Mustererkennung in Daten zur Entscheidungsfindung, Präventive Instandhaltung, etc.). 

Die schwache KI passiert jetzt! Sie ist der Bereich, der derzeit vieles ermöglicht und wodurch sich unsere Lebens- (wir werden abhängiger von diesen Algorithmen) und Arbeitsweise (wir werden zukünftige andere Tätigkeiten erbringen) verändert. Die Meinungen gehen dabei weit auseinander, welche Auswirkungen dies auf die Ersetzung menschlicher Arbeit und somit eine drohende Massenarbeitslosigkeit haben wird. Was man jedoch sicher sagen kann ist, dass sich die Art und Weise wie wir arbeiten verändern wird. Wie genau? Das werden wir hier in den nächsten Beiträgen thematisieren.  

Die Starke KI hingegen hat zum Ziel, eine Maschine mit menschenähnlicher, allgemeiner Intelligenz zu erschaffen. Dabei soll die erschaffene Maschine viele verschiedene oder alle Aufgaben wie ein Mensch erledigen können. Zudem auch Intuition besitzen und das Verhalten durch erlernte Erkenntnisse anpassen können. Alles nur Science Fiction? Naja, die aktuellen Erkenntnisse aus der Gehirnforschung lassen den Schluss zu, dass das menschliche Gehirn auch nur auf Basis organischer Algorithmen funktioniert. Folglich ist das Prinzip auch anwendbar auf Maschinen mit digitalen Algorithmen. Glaubt man den führenden Forschern auf dem Gebiet, so wird die starke KI im Laufe dieses Jahrhunderts Wirklichkeit werden. Die Frage ist weniger ob, sondern vielmehr wann es eintreten wird. Im Blog werden wir zunächst einmal darauf schauen, was derzeit möglich ist und wo die Starke KI genau steht.

Die Superintelligenz ist die Entwicklung der Starken KI hin zu einer Intelligenz, die die menschliche Intelligenz bei weitem übersteigt. In diesem Zusammenhang wird auch von einer technischen Singularität gesprochen, in der die Maschine immer schlauer wird und sich irgendwann eigenständig weiterentwickelt. Der Mensch wird in diesem Fall weder in der Lage sein zu verstehen noch zu beeinflussen was da geschieht. Eine Superintelligenz würde sich vom menschlichen Einfluss entkoppeln. Die nächste Frage die sich dann aufdrängt ist, ob sich eine solche Superintelligenz dem Menschen einfach unterordnet und beherrschen lässt? Wie wird sie den Menschen behandeln? Wird Sie uns so behandeln, wie wir heute Nutztiere behandeln? Eingesperrt unter lebensunwürdigen Bedingungen? Oder wird sie uns eher wie Ameisen behandeln, weil unsere dann niedere Intelligenz so weit entfernt ist, sodass es schlicht egal ist, was wir Menschen tun?       

Im Bereich Trans- und Posthumanismus geht es um die Verschmelzung von KI und Biotechnologie oder anders ausgedrückt: um die Verschmelzung von Mensch und Maschine. Dabei zeigen sich verschiedene Facetten des Transhumanismus. Den Einen geht es darum, den Menschen „upzugraden“. Das können Implantate sein, die beispielsweise unsere Wohnungstüre mit dem Implantat statt mit einem konventionellen Schlüssel öffnen oder die es uns ermöglichen mit Maschinen zu reden. Letztlich ist dieser Strang des Transhumanismus die Fortführung der technologischen Möglichkeiten, die wir schon längst nutzen (Brille, Kontaktlinsen, Herzschrittmacher, etc.). Jedoch gehen die Anhänger weiter und wollen den Super-Menschen entwickeln, indem Schritt für Schritt Organe oder Muskeln mit ihren besseren, leistungsfähigeren künstlichen Pendants ersetzt werden. Zudem träumen Transhumanisten vom ewigen Leben. Das könnte möglich gemacht werden, indem man sein Bewusstsein auf einen Roboterkörper transportiert, wo man dann nach dem Tod in einer digitalen Welt unendlich weiterleben könnte. Und damit haben wir die Grenze zu den Posthumanisten überschritten, die von einem zukünftigen Wesen träumen, entweder als Maschine oder als Verbindung von Mensch und Maschine, das aber die heutigen menschlichen Fähigkeiten bei weitem übersteigt. Posthumanisten gehen damit noch einen Schritt weiter und sehen den Menschen bereits auf dem Höhepunkt der Evolution angekommen. Der nächste Evolutionsschritt wird ohne den Menschen in seiner heutigen Erscheinung stattfinden. 

In meinem Blog werden wir primär zwei Fragestellungen nachgehen. Welche Auswirkungen wird KI auf unsere Arbeit haben? Wo stehen wir auf dem Weg hin zu einer Starken Künstlichen Intelligenz und wie würde das zusammenleben mit einer Superintelligenz wohl aussehen? Den Trans- und Posthumanismus werde ich in diesem Blog weniger thematisieren. Dennoch behalten wir das Feld bei entsprechenden technologischen Sprüngen im Auge. 

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