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Schachmatt

Mensch gegen Maschine: 1997 gewann der Computer DeepBlue den ersten Wettkampf gegen den damaligen Schachweltmeister Garri Kasparow. Damals war es ein Duell zwischen menschlicher Intuition und maschineller Rechenkraft. DeepBlue konnte Millionen von Stellungen je Sekunde durchrechnen. Er war so in der Lage, viele mögliche zukünftige Züge seines Kontrahenten vorab zu prüfen und die Erfolgschancen entsprechend zu berücksichtigen. Dieser Sieg der Maschine über den Menschen wurde damals als Sensation gefeiert. In der Folge sollten Mensch – Maschine Duelle an Reiz verlieren, war die Maschine offensichtlich besser wie der Mensch.

Doch es kam anders. Erik Brynjolfsson beschreibt in „The Second Maschine Age“ treffend die folgende Zeit. In sogenannten Freistil-Wettbewerben traten Schachteams aus Mensch und Maschine gegeneinander an. Es zeigte sich, dass gemischte Teams, bestehend aus Mensch und Maschine, besser waren als jegliche Maschine für sich alleine. Menschliche strategische Führung in Kombination mit maschinellem taktischen Scharfsinn war unbezwingbar. Die Erkenntnis ging sogar darüber hinaus. Amateurspieler zusammen mit Schachcomputern mit bescheidener Rechenleistung, jedoch mit einem sehr guten methodischen Vorgehen den Computer einzusetzen, schlugen starke Schachspieler, die zwar auch einen Computer zur Unterstützung hatten, allerdings ein schlechteres methodisches Vorgehen beim Einsatz des Computers aufwiesen. Anders ausgedrückt: schwacher Mensch + Maschine + bessere Methode schlägt starker Mensch + Maschine + schlechtere Methode. Heißt also, es birgt enorme Potenziale, wenn der Mensch mit der Maschine zusammenarbeitet statt gegen sie. Das mag auch auf anderen Feldern gelten, nicht nur beim Schach.

Heute sieht es allerdings im Schach anders aus, denn die KI hat sich technologisch weiterentwickelt. Mit der Erfindung der selbstlernenden KI (Reinforcement Learning) bringen sich Maschinen Spiele selber bei. So ist die KI AlphaZero in der Lage, sich Schachspielen innerhalb von 4 Stunden selber beizubringen, ohne jegliches menschliches zutun und ohne das Wissen von Schachgroßmeistern wie noch zu DeepBlue Zeiten. Dabei ist es unfassbar, dass die Maschine nach nur 4 Stunden sich nicht nur das Spiel selber beibringt, sondern dann bereits besser ist als jeglicher Mensch und jegliche andere Maschine zuvor. Es ist im Prinzip eine Schach-Maschine, die der menschlichen Intelligenz auf diesem Feld weit überlegen ist. Bemerkenswert ist auch, wie die Maschine den Menschen besiegt. Eben nicht mit bloßer Rechenpower, die einfach mehr Varianten durchrechnen kann. Ganz im Gegenteil: sie gewinnt, in dem sie über ungewohnte Züge völlig neue Wege geht, die dem Menschen zuvor verborgen waren. Die Maschine zeigt auf diese Weise, dass sie sehr kreativ eigene, zuvor nie gesehene, Lösungen entwickeln kann. Durch diese Kreativität in der Lösungsfindung hebt sie sich vom Menschen ab und gewinnt dadurch nicht nur das Spiel sondern eröffnet dem Menschen viele neue Möglichkeiten. Das ist in der Tat eine völlig neue Dimension und manifestiert die Überlegenheit der Maschine gegenüber dem Menschen auf einem stark abgegrenzten Feld.           

Wie genau funktioniert die selbstlernende KI? Die KI lernt durch millionenfaches Spielen gegen sich selber. Es werden nur die zugrundeliegenden Regeln mitgegeben. Den Rest erlernt die Maschine dann von selbst. Wer das etwas anschaulicher anhand von ein paar Beispielen sehen möchte, dem sind folgende Videos empfohlen:

(1) Hier bringt sich die KI ein Atari Spiel bei, wobei der KI nur Informationen mitgegeben werden, was auf dem Bildschirm zu sehen ist und die Aufforderung die Punkte zu maximieren. Der KI wird kein Wissen vermittelt, was ein Ball ist oder wie die Steuerung genau funktioniert. Nach 10 Minuten Training sehen die Ergebnisse noch bescheiden aus, aber dann…

(2) Das zweite Beispiel ist etwas ausführlicher. Es lohnt sich am Anfang zuzuschauen und dann zu. Minute 9 oder 10 vorzugehen. Im Spiel bringt sich eine KI das Einparken bei. Es lernt durch Belohnung von vorteilhaftem Verhalten.     

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