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Algorithmen manipulieren uns…

… heute schon! Oder was glauben Sie, was Ihnen Google in der Trefferliste anzeigt, wenn Sie z.B. nach dem besten Steak-Restaurant in einer Stadt suchen? Wird das objektiv beste Restaurant oben erscheinen oder das Restaurant, das sich am besten auf den Suchalgorithmus von Google optimiert hat? 

Ein anderes Beispiel ist in der Online-Reisebüro Branche zu finden. In diesem Bereich gibt es bereits seit einiger Zeit Algorithmen, die die Vorlieben der Nutzer mitschneiden und daraufhin passgenaue Angebote anzeigen. Dadurch bekommen Sie immer mehr davon, was sie anscheinend gerne machen. Jedoch gibt es kein „Links“ und kein „Rechts“ mehr davon und es wird ihnen auf diese Weise immer etwas anderes vorenthalten werden. Wenn Sie also z.B. dafür „bekannt“ wären, dass Sie gerne etwas mehr Geld für eine gehobene Reise ausgeben, dann werden Sie beim nächsten Mal auch eher wieder etwas im hochpreisigen Segment angeboten bekommen. Anders ausgedrückt, schöne aber günstigere Angebote werden gar nicht mehr auf der Trefferliste erscheinen, obwohl diese potenziell da sind. Man hat gar nicht mehr die vollständige Bandbreite zur Auswahl zur Verfügung und unsere Entscheidungsprozesse werden dadurch manipuliert. 

In beiden Beispielen sind wir mehr oder weniger dem Algorithmus ausgesetzt. Nach Meinung von Yuval Harari, den ich als Autor sehr schätze, sind wir heute schon von den Algorithmen abhängig. Unsere Daten werden gesammelt, um uns zu manipulieren. Er zieht daher den Schluss, dass wir dem Algorithmus dienen und nicht der Algorithmus uns. Der Algorithmus hat folglich die Macht und bestimmt über unser Leben. 

Doch ist es wirklich schon der Algorithmus, der uns kontrolliert? Ich teile diese Einschätzung so nicht. Klar, wir werden manipuliert, so wie wir in den oberen Beispielen gesehen haben. Jedoch stecken immer noch die Konzerne hinter den Algorithmen. Die Algorithmen bestehen nicht aus Selbstzweck und werden nur solange fortbestehen, solange die jeweiligen Unternehmen sie einsetzen. Wie schrieb es Harari so schön: In den Augen der großen Onlinegiganten werden Menschen als audiovisuelle Lebewesen gesehen – mit zwei Augen, zwei Ohren, die mit 10 Fingern mit einer Tastatur und einer Kreditkarte verbunden sind. Man muss die monetären Interessen und Wertströme bedenken, um einschätzen zu können, wer Macht besitzt.

Aber sind es tatsächlich die Konzerne, die Macht über uns besitzen? Wenn man Macht so definiert, dass derjenige, der weniger vom Anderen will, mehr Macht hat – wer hat dann die Macht im Hinblick auf die Algorithmen? Wer will mehr vom anderen? Die Onlinegiganten von uns Konsumenten oder wir Konsumenten von den Online Giganten? Schwierig einzuschätzen. Nur eines ist sicher: Wo keine Konsumenten, da auch kein Geldeingang. 

Die Macht liegt also letztlich noch immer beim Menschen – entweder in Form der Konzerne oder der Konsumenten – und noch nicht bei den Algorithmen. Die Algorithmen befähigen jedoch Macht auszuüben.   

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