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#projektgrenzen – Denke grenzenlos, handle grenzen-setzend

Das Projektmagazin lädt zur Blogparade #projektgrenzen ein. Die Frage ist, ob wir im digitalen und agilen Zeitalter noch Grenzen im Projektmanagement brauchen? Diese Frage möchte ich auch hier im Blog spezifisch für KI-Projekte diskutieren. 

Denke grenzenlos und nutze externe Daten

Das wirtschaftliche Potenzial von KI ist für Unternehmen immens. Damit KI funktioniert, muss sie mit großen Datenmengen „erlernen“ was zu tun ist. Darin unterscheidet sich die künstliche von der menschlichen Intelligenz fundamental. Der Mensch benötigt nur wenige Beispiele und Daten um zu lernen. KI hingegen benötigt Unmengen von Daten um einigermaßen brauchbare Ergebnisse zu erzielen. Fehlt die Datenbasis oder ist diese nicht ausreichend groß, ist KI (zumindest noch) nicht anwendbar. Daten sind das Gold der heutigen Zeit, denn es versetzt Unternehmen in die Lage die Potenziale von KI zu nutzen. Dabei geht es bei weitem nicht mehr nur um interne Unternehmensdaten, sondern vielmehr um die Nutzung externer Datenschätze. Und es ist wissenschaftlich längst erwiesen, dass die Fähigkeit, externe Daten und Wissen für ein Unternehmen zugänglich zu machen, wirtschaftliche Vorteile bringt (K. Trantopoulos, 2017, “External Knowledge and Information Technology”) und organisationales Lernen ermöglicht (V. Grover, 2012, “Absortive Capacity and Information Systems Research”). In einer Zeit, in der die Welt u.a. getrieben durch KI immer volatiler, unsicherer, komplexer und mehrdeutiger (VUCA) wird, ist die Öffnung nach Außen eine absolute Notwendigkeit für die Wettbewerbsfähigkeit. 

Zudem sind KI-Projekte, richten wir einmal den Blick in die Unternehmen hinein, nach meiner Erfahrung nur dann erfolgreich, wenn die traditionellen Bereichsbegrenzungen überwunden werden können. Denn die Problemstellungen sind meinst interdisziplinär. Daher können die Potenziale von Künstlicher Intelligenz nur durch eine bereichsübergreifenden Zusammenarbeit gehoben werden. Dafür benötigt man neben Menschen, die sich mit IT-Systemen, Datenquellen und Datenanalysen (Data Engineers, Data Scientists, etc.) auskennen, auch die entsprechenden Domänenexperten, die das unerlässliche fachliche Know-how einbringen. Fehlt ein Element, scheitern diese Projekte. Doch in der Praxis liegt genau in der bereichsübergreifenden Zusammenarbeit die Schwierigkeit. Fragen nach der „Ownerschaft“ solcher Projekte können in klassischen Unternehmensstrukturen meist nur schwer gelöst werden. Zudem legen Führungskräften den Fokus meist auf die eigenen Problemstellungen und wollen Erfolge für sich verbuchen. Mögliche Vorbehalte zwischen Abteilungen werden auf diese Weise nicht abgebaut, gegenseitiges Vertrauen ist oft Fehlanzeige.      

Zusammengefasst: Es ist ein immenser Wettbewerbsvorteil für Unternehmen, wenn man es versteht Daten und externes Wissen für sich nutzbar zu machen sowie Silos und Bereichsegoismen aufzulösen. Sollten wir also vor dem Hintergrund des vorteilhaften, grenzenlosen Denkens Grenzen pauschal über Bord werfen? Nein, das wäre fatal! 

Handle grenzen-setzend und agil

Grenzen haben eine Funktion. Soziale Systeme, und damit Projekte, konstituieren sich durch ihre Grenzen. Die spezifische Zielsetzung eines jeden Projekts ist Grundvoraussetzung für das Bestehen des Projekts und eine entscheidende Abgrenzung. Entweder etwas ist Teil des Ziels und damit der angestrebte Lösung oder eben nicht. Grenzen in Form von Zielen machen Projekte dadurch erst handlungsfähig und ermöglichen es, gemeinsam zu kooperieren und an einer Lösung zu arbeiten. 

Aufgrund der hohen sozialen und technischen Komplexität sowie aufgrund des übergreifenden Zusammenarbeitscharakters, empfiehlt es sich KI-Projekte „agil“ umzusetzen. Agile PM-Methoden zeichnen sich jedoch nicht durch ihre Grenzenlosigkeit, sondern eben durch ihre Rahmengebung aus. Sie lassen zwar Raum, um von Zeit zu Zeit das Vorgehen anzupassen, jedoch nur in einem klar definierten Rahmen mit den geltenden Spielregeln. Die Rollen sind klar vorgegeben und voneinander abgegrenzt. Das Projekt ist als ein Prozess mit festgelegten Teilschritten organisiert. Arbeitsphasen wechseln sich mit Reviewphasen ab. Zwar werden diese Methoden immer mehr auf den Unternehmenskontext und dessen Notwendigkeiten angepasst. Jedoch sind die Begrenzungen, die für das Projekt erfolgsentscheidende Bedingung. Sie sorgen für Klarheit und Orientierung, um die komplexe Fragestellung überhaupt bearbeitbar zu machen.

High Performance Teams kombinieren beide Fähigkeiten 

High Performance Teams sind charakterisiert durch ein sehr hohes Maß an Kooperation und Lösungsfähigkeit trotz extremer Herausforderungen und weit auseinander gehender Einzelpositionen/Perspektiven der Teammitglieder. Die 5 Erfolgsfaktoren von High Performance Teams sind: Vertrauen, Konfliktbereitschaft, Engagement, Mut und Ergebnisorientierung. Zur Verdeutlichung möchte ich zwei Erfolgsfaktoren herausgreifen. Konfliktbereitschaft bedeutet, dass ich meine Position klar kommuniziere und auch gegen Widerstände nicht zurückhalte, mich jedoch auch auf andere, ggf. konträre Positionen einlassen und diese nachvollziehen kann. Ein zu enges Korsett im Denken, in den eigenen Grenzen, würde den notwendigen Prozess zur Findung der besten Lösung nicht zulassen. Die Ergebnisorientierung hingegen entfaltet eine magnetisierende Wirkung hin zu den gesteckten Zielen. Eine fehlende Ergebnis- oder Zielorientierung verbrennt unnötige Energie und führt zu einem geringeren Grad an Lösungsfähigkeit für ein Problem. Allerdings grenzt diese Fokussierung auf das Wesentliche (zumindest aus Projektsicht wesentliche) andere Aspekte im Sinne der Lösungsfindung bewusst aus und wirkt somit begrenzend. 

Fazit

KI-Projekte gelingen nur, wenn dem Denken und der Kooperation keine Grenzen gesetzt werden. Insbesondere in Bezug auf die benötigten Kompetenzen, auf die relevanten Daten oder auf den Diskurs. Jedoch gelingen KI-Projekte nur, wenn das Team innerhalb klarer Grenzen agiert. Ziele sind durch ihre begrenzende Wirkung Komplexitätsreduzierer und entfalten eine magnetisierende Wirkung im Hinblick auf die Lösungsfindung. Daher meine Empfehlung: Denke grenzenlos aber handle grenzen-setzend!

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